von Dr. Harald Schwager
Am Wochenende 8./9. Mai fand auf der Olympiastrecke in München/Oberschleißheim die erste Internationale Junioren-Regatta des Deutschen Ruderverbandes statt. Trotz aller anderslautender Prognosen verlief die gesamte Juniorenregatta ohne einen Regentropfen. Bei nur leichtem Wind waren die Bedingungen somit optimal für die Elite des Rudernachwuchses aus 18 Nationen. „Es ist schon erstaunlich, dass nahezu alle bekannten Namen der letzten Junioren-Weltmeisterschaften hier auf der Regatta vertreten sind“, zeigte sich Harald Punt von der Klasse des Teilnehmerfeldes beeindruckt. Unter den 1800 Teilnehmern waren auch Tim Lauer und Lars Bergström von der Rudergesellschaft Speyer mit Trainer Harald Punt.
Zunächst hatte Harald Punt eine Standortbestimmung im Einer der Junioren A, 17/18 Jahre, gesetzt. Gesundheitlich noch nicht ganz fit ging Lars Bergström in seinen Vorlauf über die 2000-Meter-Distanz auf der Sechs-Bahnen-Strecke. Lars Bergström hielt sich auf der ersten Streckenhälfte noch gut auf Rang drei, was für die Finals gereicht hätte, musste die Gegner dann aber ziehen lassen und kam knapp hinter Fabian Kröner von der Giessener RC Hassia als Fünfter ins Ziel und schied aus. Tim Lauer gelang es, obwohl erst seit kurzem auch wieder im Einer unterwegs, einen Finalplatz zu erkämpfen. Vom Start weg führte der Tscheche Jakub Podrazil vor dem Bulgaren Teri Georgiev dahinter Tim Lauer, diese Reihenfolge hatte auch im Ziel bestand. Wobei sich Tim Lauer einen heftigen Kampf mit dem letztlich viertplatzierten Thomas Strassegger, Österreich, lieferte. Mit einer Leistungssteigerung im C-Finale, der Vorlaufdritten, gelang Tim Lauer eine Überraschung, Platz drei hinter dem Start-Ziel-Sieger Jernej Markovc aus Slowenien und Paul Hechinger aus Österreich bedeutete am Ende auch drittbeste Zeit aller deutschen A-Junioren.
Noch größeres Augenmerk galt nicht nur aus Speyerer Sicht der Königsklasse dem Achter, hatte sich Harald Punt doch speziell mit seinen A-Junioren in den letzten Monaten mit dem Südteam der deutschen Nachwuchsruderer speziell auf die Achterkonkurrenz vorbereitet. Im Vorlauf lief das Boot der Renngemeinschaft RG Speyer/RC Nürtingen/Offen-bacher RG Undine/Hanauer RG/Schweinfurter RC/Mannheimer RV mit Tim Lauer und Lars Bergström an Bord noch nicht völlig rund, aber die Finalteilnahme konnte sicher mit einer Länge vor Tschechien hinter dem Ruhrgebiets-Achter und Großbritannien mit Platz drei gesichert werden.
Das Finale brachte dann „Gänsehaut pur“ mit einem außergewöhnlichen Ergebnis. Der Achter mit den beiden Domstadt Ruderern mit dem roten Brustring erwischte einen guten Start und führte bei der 500-Meter-Marke mit sieben Zehntel Sekunden vor dem deutschen „Nord“-Achter, der dann zunächst zurückfiel, um dem „Ruhrgebiets“-Achter den zweiten Platz zur Streckenhälfte zu überlassen. Dann kehrte der „Nord“-Achter seinen Ein-Längen-Rückstand vor den letzten 500 Metern in eine Fünf-Zehntel-Sekunden-Führung um, doch der Achter um Tim Lauer und Lars Bergström kämpfte sich mit jedem Schlag ein klein wenig heran. Im Ziel gab es dann nur einen Hupton und Zweifel ob nun Freude oder Zähneknirschen angesagt sei. Das Zielgericht sah sich den Zielfilm wieder und wieder an, ohne eine Entscheidung treffen zu können.
Beide Achter waren mit 6:00,09 Minuten gestoppt, totes Rennen, und damit der erste Achtersieg der noch jungen Saison für die beiden Speyerer perfekt. So durften 16 Ruderer und zwei Steuermänner gleichzeitig jubeln, und zwei Steuerleute brauchten frische, insbesondere trockene Ruderklamotten.
„Ein totes Rennen kommt im Rudern nur alle Schaltjahre einmal vor und dann gleich im Achter einer so hochkarätigen Regatta. Das bleibt in Erinnerung. Die Bedeutung dieses Sieges für die RG Speyer kann man nur erfassen, wenn man die Klasse des Starterfeldes mit vielen Medaillengewinnern bei Junioren-Weltmeisterschaften richtig einschätzt“, zeigte sich Trainer Harald Punt hoch zufrieden.
Spruch des Tages:
„Lieber ein totes Rennen als ein toter Ruderer!“
Für Nicht-Insider:
Gemeint ist natürlich im übertragenen Sinn ein total erschöpfter Ruderer, der gewiss nicht mehr siegen kann.