Wanderrudern

Wer nicht schon in irgendeiner Weise mit dem Rudern zu tun hatte, kann sich unter dem Begriff Wanderrudern kaum etwas vorstellen. Ein Ruderer, vor allem einer, der schon eine Wanderruderfahrt mitgemacht hat, bringt den Begriff mit zahlreichen Erlebnissen und Eindrücken in Verbindung. Und wenn zwei von dieser Sorte zusammentreffen, gibt es keinen Mangel an Gesprächsstoff.
Wenn Rennruderer zusammentreffen, berichten sie von ihrem Trainingspensum, von ihren zahlreichen Regatten, ihren Gegenern, ihren Siegen oder Niederlagen. Es geht um Schlagzahl, Meter, Minuten und Sekunden, Erschöpfung, Euphorie und Enttäuschung.
Wanderruderer reden über Etappenlänge, Gastfreundschaft, Wetter, Schleusen, Umsetzen, Landschaft, Schiffsverkehr, Buhnen und Klippen. Es klingt nach zwei verschiedenen Welten. Jedoch allen gemeinsam ist das Element Wasser und nicht zuletzt, die Blasen an den Händen.
Mindestens einmal im Jahr bricht das Wanderruderfieber aus, Boote werden verladen, Taschen gepackt und es geht irgendwohin: an Lahn, Mosel, Weser, Main , Hochrhein, Rhone, Loire und auf Schweizer Seen.
Am häufigsten wird aber in der näheren Umgebung gerudert. Rheinstrecke, Otterstädter- Ketscher-, Berghäuser-, Lingenfelder-, Philippsburger Altrhein, Reffenthal, Badischer Hafen, Trompeterbau, Sauloch, Salmengrund, Pioniergrund: Gewässer, die der Landratte zum größten Teil unbekannt sind, auf denen jedoch der Wanderruderer fast zuhause ist und diese kennt wie seine Hosentasche.
Gerudert wird fast das ganze Jahr hindurch. Rupprecht Weber:  "Der richtige Ruderer kennt kein Wetter".
Wer stellt sich schon vor, daß man die Loreley, den Rheinfall, das Heidelberger Schloß oder die Schlösser der Loire auch vom Wasser aus betrachten kann ? An Felswänden, Weinterassen und Burgen vorbeirudern, riesige Rheinschiffe an sich vorbeifahren zu lassen samt dem Tanz auf den Wellen, oft verbunden mit Nervenkitzel, das sind beim Wanderruderen alles Selbstverständlichkeiten. Auch das Dahintreiben und Dösen in der Sonne, das sanfte Rauschen des Rheinkieses unterm Boot, die Geselligkeit in der Mannschaft, die nicht zuletzt, oft wegen Ärger auf einen unerfahrenen Steuermann, immer wieder auf einen Nenner kommt und das Erlebnis, wie sich Kraft in Fortbewegung umwandelt, ist einmalig.
 

 

Es gibt wohl kaum eine Sportart, in der sportliche Aktivität und Geselligkeit so miteinander verbunden sind. Schon aus diesem Grunde sind die Wanderruderer daran interessiert, die Landschaft unserer Flüsse und Auwälder zu erhalten wie sie ist und sie vor schädlichen Einflüssen zu schützen.
Der Wanderruderer kennt viele Gewässer, ist,- zumindest wo Wasser ist-, am Pulsschlag der Natur und sieht überall wo sie gesund oder krank ist. Er schätzt und liebt sie nämlich .....

  
2007 potsdam