Volles Zelt bei Kiellegung für Kirchboot
von Dr. Harald Schwager
„Ich bin überrascht über den großen Zuspruch“, begrüßte der Erste Vorsitzende der Rudergesellschaft Speyer Alfred Zimmermann die zahlreichen Gäste, die der Einladung der „Initiative Kirchboot für die RGS“ ins Zelt bei Bootsbauer Jürgen Dorsch in die Industriestraße gefolgt waren um die Kiellegung des ersten in Deutschland gebauten Kirchbootes zu feiern. Natürlich mit dabei auch der Ehrenvorsitzende Hans Gustav Schug und Ehrenmitglied Hermann Fuchs.
„Üblicherweise freuen wir uns über ein volles Haus, hier und heute aber über ein volles Zelt, da zum Bau des Kirchbootes eigens ein Zelt aufgestellt werden musste, da die Bootswerft das 12 Meter lange Kirchboot nicht aufnehmen konnte“, sagte Zimmermann zur Begrüßung. Norbert Herbel, Sportvorsitzender der RGS und Initiator der ersten beiden Speyerer Kirchbootregatten im Alten Hafen sowie zum Bau des „Wikingerschiffes“ lud alle Interessierten ein sich zur Vogalonga 2010 in Vendig anzumelden und mit dem Meldegeld von 500 Euro je Bootsplatz zum Bau des Kirchbootes beizutragen.
Unter großem Beifall der Gäste wurde der Kiel von Bootsbauer Jürgen Dorsch auf das Kirchboot aufgelegt und somit „Richtfest“ gefeiert. Üblicherweise stellt die Kiellegung im Schiffbau den Baubeginn, also die "Grundsteinlegung" dar. Dazu wird der Kiel ausgelegt, daran die Spanten fixiert und die Bootsplanken befestigt wird. Völlig anders beim Kirchboot, bei dem die Spanten bereits aufgebaut sind und der Kiel wird zum Schluss montiert wird.
Jürgen Dorsch erläuterte dass „die klassischen finnischen Kirchboote nicht flexibel genug sind. Entgegen den starr eingebauten vierzehn Ruderplätzen wird mit einem neuen Konzept erstmals ein variabler Einsatz mit zwölf oder 14 Plätzen möglich sein. Gerudert wird mit konventionellen Riemen mit auf- und abzudrehenden Blättern, dabei wird auf die Rudertechnik vom Anfänger bis zum erfahrenen Ruderer besondere Rücksicht genommen.“ Streng nach historischen Vorgaben werden heute Kirchboote in einem auf den Wettkampfsport zugeschnittenen Bootstyp in traditioneller Klinkerbauweise mit einer Bootsplankenstärke von 9 bis 12 mm und einer Bootslänge von 12 Metern und einer Breite von 1,85 bis 1,95 Metern gebaut. Die größten bekannten Boote waren bis zu 40 Meter lang und drei Meter breit, diese wurden von bis zu 40 Ruderpaaren gerudert.
In der Diskussion zeigten die Gäste auch großes Interesse an der Geschichte des Kirchbootruderns. Kirchbootrudern ist in der Tat eine Glaubensfrage, denn sie entstanden zu Zeiten der Reformation in Finnland in Anlehnung an die Langboote der Wikinger. Die erste urkundliche Nennung liegt fast dreihundertsiebzig Jahre zurück und stammt aus dem Jahr 1640. Die Verkehrsanbindung zwischen den Kirchengemeinden war sehr schlecht, allerdings bestand die Möglichkeit die verzweigten Wasserwege im Seengebiet zu nutzen. Das Kirchboot diente in erster Linie zur sonntäglichen fahrt zur Kirche, dabei entwickelte sich insbesondere die Heimfahrt dann schnell einem Wettrudern mit höchstem, Anspruch an Mensch und Material. „Das haben wir auch bei unseren beiden Kirchbootregatten lernen müssen, denn der Bootsbauer war im Dauereinsatz, um nach jedem Rennen kleine Schäden zu beseitigen“, erzählte Norbert Herbel.
In Finnland ist Kirchboot-Fahren heute ein wahrer Volkssport – die schon seit 42 Jahren ausgetragene jährliche Kirchbootregatta und gleichzeitig größte Regatta der Welt zählt über 10.000 Teilnehmer und führt von Sulkava über circa 60 km um die größte Insel der Saimaa-Seenplatte, die Partalansaari herum. Im finnischen Hausjärvi (Häme) findet ebenfalls eine traditionelle Kirchboot-Regatta statt. Unter den 1.300 Ruderern war in diesem Jahr zum nunmehr vierten Mal auch ein prominenter Finne, der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen, der mit seiner Mannschaft sogar den fünften Platz in seiner Klasse erreichte. Die Teilnahme am Kirchboot-Rennen gehört zu den Familientraditionen der Vanhanens.
Für die „Initiative Kirchboot für die RGS“ geht es nun in den nächsten Wochen darum möglichst viele Kirchbootbegeisterte zu finden und zu aktivieren, um das Boot und den dazu notwendigen Bootstrailer durch Spenden zu finanzieren. Jeder Begeisterte trägt mit jedem Betrag auf das Konto 27707 der RG Speyer, Stichwort „Kirchboot“ - bei der Volksbank Kur- und Rheinpfalz – dafür gibt es eine Spendenbescheinigung - dazu bei, dass Kirchbootrudern in Speyer und damit der Metropolregion Rhein-Neckar möglich wird.
Besonders freuten sich die Speyerer Ruderer über Besuch der Ruderfreunde vom Karlsruher RV Wiking, die am Nachmittag unseren Gig-Vierer „Vater Rhein“ über den fast ausgetrockneten „Vater Rhein“ nach Speyer rücküberführt hatten. Norbert Herbel bedankte sich mit der Übergabe einer Flagge der RG Speyer nochmals auch für die Überlassung des Karlsruher Kirchbootes zur Abnahme der Maße zum Nachbau unseres eigenen „Wikingers“ in Speyer.
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Nun bittet die „Initiative Kirchboot für die RG Speyer“ um Spenden unter dem
Stichwort „Kirchboot“
auf eines der Konten der RG Speyer (Spendenbescheinigung wird zugesandt):
Konto 27707 bei der Volksbank Kur- und Rheinpfalz (BLZ 54790000)
Konto 5702 bei der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer (BLZ 54750010)
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